Amateurfußball

Mit dem Fuß für den Kopf

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Auch der Moderator des ZDF-Sportstudios, Sven Voss (Mitte), engagiert sich für Bildung Kickt. Foto: Bildung Kickt.

Es ist ein beeindruckendes Zitat, das auf der Startseite der Organisation Bildung Kickt zu lesen ist. „Zu meiner Zeit war ich das einzige Ausländerkind auf dem Gymnasium unserer Stadt. Ich konnte zeigen, dass es völlig selbstverständlich ist, Türke oder Deutscher zu sein. Fußball war für mich immer auch Persönlichkeitstraining. Ich konnte meinen Weg gehen und hatte das Gefühl, wichtig zu sein.“ Diese Sätze stammen von Kenan Önen. Der 55-Jährige, der Mitte der 60er-Jahre als Gastarbeiterkind mit seinen Eltern nach Deutschland immigrierte, ist Geschäftsführer der Organisation, die immer wieder auf Spenden angewiesen ist, um ihr Konzept zu verfolgen und die eigens gesteckten Ziele zu erreichen. Önen ist der Kopf eines Teams, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Bildung und Fußball sinnvoll miteinander zu verbinden. Warum ausgerechnet Fußball? Das Spiel mit dem runden Leder ist vermutlich das unkomplizierteste Spiel der Welt. Zwei Tore und ein ballähnlicher Gegenstand reichten eigentlich schon immer aus, um eine ganze Menge Kinder zu begeistern. „Fußball“, so sagt Kenan Önen ohne lange nachzudenken, „ist die führende Sportart in Deutschland“.

Engagierte Trainer machen tollen Job

Vor drei Jahren hat Önen das Projekt ins Leben gerufen. Im November des vergangenen Jahres wurde es mit dem hessischen Integrationspreis ausgezeichnet. Eine deutliche Bestätigung dafür, dass die fleißigen Arbeiter im Hintergrund einen tadellosen Job machen. Dazu gehören Abdullah Tabarrant, der vor einigen Jahren für den SV Erzhausen in der Oberliga Hessen als Innenverteidiger am Ball und danach vor allem als Coach im höheren Jugendbereich aktiv war, aber auch Dominique Groß, der derzeit mit Viktoria Kelsterbach zielstrebig auf die Meisterschaft in der Verbandsliga Mitte und dem damit verbundenen Aufstieg in die Hessenliga zueilt.

Der Name Bildung Kickt könnte verdeutlichen, dass die Bildung und das Kicken zwei gleichbedeutende Komponenten in der Organisation sind. Tatsächlich haben sie aber eine komplett unterschiedliche Gewichtung. „Die Jugendlichen sollen sich hier nicht zu Superstars entwickeln. Es ist viel wichtiger, dass sie den Fußball stets als Ausgleich nutzen, um vor allem im Hinblick auf eine berufliche Zukunft den richtigen Weg einzuschlagen“, betont Kenan Önen. Bislang funktioniert dieses Konzept sehr gut. Aktiv sind die Nachwuchskicker nicht nur auf dem Fußballplatz, sondern auch bei gemeinsamen kulturellen Ausflügen. Kenan Önen und Co. waren zum Austausch sogar schon zu Gast in Paris.

Kinder aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet sind im Programm aufgenommen, viele, denen Hilfe genauso zustehen würde, stehen noch auf der Warteliste. Zuletzt war eine Kooperation mit der Bad Homburger Hochschule accadis in den Schlagzeilen. Studenten hatten die Homepage auf Vordermann gebracht, Flyer verteilt und eine Crowdfunding-Initiative gestartet. Dies sei unglaublich wichtig, weil ein Stipendium für einen Kicker pro Schuljahr 5.000 Euro kostet – eine Stange Geld. „Das haben sie wirklich super gemacht, über die gebotene Hilfe waren wir sehr dankbar“, freute sich Kenan Önen über die Hilfsbereitschaft der Studenten. Spricht man ihn auf die Hochschule accadis an schwärmt er in den höchsten Tönen. „Hätte es die damals schon gegeben, wäre ich dort auch sehr gerne hingegangen.“

Wer gut in der Schule ist, hat größere Chancen im Leben“

Medienwirksam war die Aktion allemal. Auf der Homepage sind Zeitungsartikel der letzten Monate aufgelistet. Zuletzt berichteten die Frankfurter Neue Presse, der Wiesbadener Kurier und die Hofheimer Zeitung über die ortsansässige Organisation. Auch die Frankfurter Rundschau und die Frankfurter Allgemeine Zeitung, sogar die türkische Hürriyet brachten Bildung Kickt schon in die Schlagzeilen. Zudem erfährt das Projekt Unterstützung von prominenten Gesichtern aus der Welt des Sports. Ex-Bundesliga Schiedsrichter Lutz Wagner gab für die Kids schon Seminare im Hinblick auf den richtigen Umgang mit Erfolg und Misserfolg, Sven Voss, einer der Moderatoren des aktuellen Sportstudios im ZDF engagiert sich ebenso wie der Mainzer Bundesligaprofi Yunus Malli. „Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer der Sprung zum Fußballprofi ist. Nur die Wenigsten schaffen das. Daher ist es wichtig, gut in der Schule zu sein. Wer gut in der Schule ist, hat größere Chancen im Leben“, erzählt der deutsche U-Nationalspieler Malli, warum ihm die Verantwortung als Botschafter persönlich sehr wichtig ist.

Bildung Kickt – das ist auch ein Mutmacher für alle Jugendlichen, die aus sozial schwächer gestellten oder erst nach Deutschland immigrierten Familien kommen. Und es ist natürlich für alle Außenstehenden ein Ansporn dieses Projekt zu unterstützen oder zumindest einen Teil dazu beizutragen, dass Kenan Önen und sein Team ihre Mission in Zukunft noch weiter ausbauen können.

Nähere Informationen dazu gibt es auf der Homepage: www.bildung-kickt.de.

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